Ryno Carstens zieht am Stick und lässt die H-120 sanft vom Vorfeld des Flughafens Praslin abheben. Er hat zuvor Touristen von der Hauptinsel Mahé in ein Resort auf Praslin geflogen. Auf dem Flughafen sind nun zwei weitere Gäste zugestiegen. Es geht zurück zur Basis auf Mahé. Der 35jährige Südafrikaner ist einer von 10 Helikopterpiloten der kleinen Fluggesellschaft Zil Air auf den Seychellen. Zil ist creolisch und beutet in der Landessprache „Insel“.

- Pilot Ryno Carstens landet auf dem Flugplatz von Praslin

Im Jahr 2007 gründete Francis Savy die Firma, um dem wachsenden Tourismus gerecht zu werden und den Transport der Touristen zu gewährleisten. Der 54jährige arbeitete davor bereits im Tourismussektor und war vom Fach. Im Gründungsjahr erwarb er einen ersten Airbus H-120. Zwei Jahre später folgte mit dem Erwerb des AOC (Air Operator Certificate) und des einhergehenden Beginns des Flugbetriebs der zweite. Im Lauf der Jahre wuchs die Flotte auf fünf H-120 an. Zusätzlich stießen im Jahr 2011 eine Vulcan Air P68C und 2019 eine Tecnam P2012 Traveller dazu. Auch eine Beechcraft King Air 250 und Pilatus PC-24 stehen im Flottenbuch von Zil Air. Mit diesen beiden werden jedoch keine kommerziellen Flüge durchgeführt. Die Flugzeuge gehören Privatpersonen und Zil Air führt lediglich die Wartung durch und stellt mit den Crews den Betrieb sicher. Von 2014 bis 2018 betrieb die Airline in gleicher Weise auch einen EC-145, welcher sich ebenfalls in Privatbesitz befand.
Zil Air versteht sich als Nischen-Carrier. Massentourismus gibt es auf den Seychellen nicht. Stattdessen legt die Fluggesellschaft das Augenmerk auf den Individualtourismus mit Luxus und Komfort. Ihre Basis hat sie auf dem internationalen Flughafen von Mahé. Sie befindet sich am südöstlichen Ende der Landebahn, fernab des Terminals. Das ermöglicht den Kunden eine stressfreie individuelle Anreise ohne Verkehr. Der Wartebereich gliedert sich in eine klimatisierte stylische Lounge mit allen Annehmlichkeiten im Gebäude sowie einen Außenbereich mit Blick auf die Hubschrauber. Insgesamt stehen Zil Air 30 Heli-Landeplätze auf den inneren Inseln verteilt zur Verfügung. Dazu kommen weitere 10 Landebahnen für Flugzeuge.

- auf der Insel La Digue gibt es ein Helipad nahe des weltberühmten Strandes „Anse Source d’Argent“
Mittlerweile hat Ryno Carstens den Flughafenbereich von Praslin verlassen und steuert den Hubschrauber aufs offene Meer hinaus. „Wir fliegen immer unter 1000ft über dem Meeresspiegel“, verrät er. „Denn darüber ist der Luftraum für den Instrumentenflug reserviert. Mit dem Hubschrauber fliegen wir immer nur auf Sicht.“ Es kann daher auch einmal vorkommen, dass Flüge wegen Schlechtwetter abgesagt werden müssen. Das ist aber relativ selten. „Manchmal hängt die Wolkenuntergrenze bei nur 600ft. Da können wir dann bis 500ft runter. Tiefer fliegen wir nie“, erzählt Ryno, der seit Anfang 2025 bei Zil Air fliegt. Bei den geringen Flughöhen bleibt nicht viel Zeit im Falle eines Notfalls. Daher müssen alle Passagiere während des Fluges eine Schwimmweste tragen. Der H-120 selbst ist mit aufblasbaren Schwimmern an den Kufen ausgestattet, was ihn bei einer Notwasserung über Wasser hält.


- Kurs auf Mahé – auf maximal 1000ft über dem Meer


- an den Kufen sind aufblasbare Schwimmer für den Fall einer Notwasserung montiert
In punkto Komfort ist der H-120 ein ideales Fluggerät für Zil Air. Er ist mit seinem Drei-Hauptblatt-Rotorsystem der leiseste Hubschrauber seiner Klasse. Ein großer klimatisierter Kabinenraum ermöglicht eine hervorragende Sicht nach draußen auf die farbenprächtigen Riffe im Meer. Jeder Passagier bekommt einen hochmodernen Kopfhörer zur Geräuschunterdrückung. Die Sitze sind mit hochwertigem Leder überzogen. Bisher gab es keine Unfälle zu beklagen. Zil Air folgt den EASA-Regularien, um höchstmöglichen Sicherheitsstandard zu bieten.
Mit der Tecnam P2012 Traveller und Vulcan Air P68C werden sowohl die Inseln Praslin, Bird Island und Denis Island angesteuert als auch die äußeren Inseln des Landes, die sich fernab der Hauptinseln befinden. Insgesamt zählen 115 Inseln zu den Seychellen, verstreut auf 1,4 Millionen Quadratkilometer zwischen dem vierten und zehnten Breitengrad südlich des Äquators. Das Hauptgeschäft von Zil Air sind die Touristen. Die meisten davon kommen aus Europa. Hier und da hilft die Airline auch bei Frachttransporten, der Bekämpfung von Waldbränden oder medizinischen Notfalltransporten aus.
Aktuell arbeiten 102 Mitarbeiter für die Fluggesellschaft. Darunter je nach Saison 15 bis 18 Piloten. Beachtliche 40% der Flugbewegungen auf den Seychellen fallen auf Zil Air. Mit den Kennungen der beiden Flugzeuge in der Flotte möchte Zil Air auf die paradiesische Schönheit der Seychellen aufmerksam machen: S7-ADM und S7-EVE – Adam and Eve.
Die Registrierungen der Helikopterflotte hingegen beziehen sich auf die Luft und die Inseln: S7-AIR, S7-ILE, S7-FLY, S7-ISL und S7-ZIL.

- die Basis von Zil Air auf dem internationalen Flughafen von Mahé





- mit der Tecnam P2012 Traveller…

- … und der Vulcanair P68C von Zil Air werden die weiter entfernten Inseln angeflogen

- in einer komfortablen Lounge können es sich die Gäste während der Wartezeit auf ihren Flug gemütlich machen

- der Außenbereich der Lounge bietet einen Blick auf das Vorfeld
Ryno Carstens hat sich bereits bei „Seychelles Tower“ zur Landung angemeldet. Er steuert aus Norden kommend direkt die Zil Air-Basis an. Kurz vor der Landung können die Gäste noch einmal die bunten Korallen im Meer und die davor liegenden kleinen Inseln bewundern. Für Ryno ist das Alltag. Nach nur 15 Minuten Flug seit Praslin setzt er den H-120 vor dem Hangar sanft auf den Boden. Die Passagiere werden von einem Shuttle abgeholt und zum Terminal gefahren, denn sie haben einen Anschlussflug. Ryno hat für heute Feierabend. Er war bereits mehrere Stunden in der Luft.

- Anflug auf die Zil Air Basis auf Mahé

- die Zil Air Basis befindet sich im südöstlichen Bereich des Flughafens – kurz vor der Landung werden einige Korallenriffe überflogen

- die eigentliche Landebahn des Flughafens wird überflogen

- Pilot Ryno Carstens beendet den Flug von Praslin nach Mahé
Konkurrenz gibt es für Zil Air nur indirekt. Da die Airline nicht auf Massentourismus aus ist, konzentriert man sich voll auf Charter und Rundflüge. In diesem Segment hat sie durch ihr Luxusprodukt ein Alleinstellungsmerkmal, das die Kunden anzieht und bindet. Ausbaupläne gibt es. Allerdings in Relation zum Tourismus. Das heißt Stück für Stück und dem Anstieg des Tourismus angepasst. Da es auf den Seychellen keinen Massentourismus gibt, passiert dies sehr langsam. Es werden keine großen neuen Hotelburgen eröffnet, sondern eher kleine Resorts mit wenigen Zimmern. Luxus eben, genau wie ihn die Airline anbietet.



