Mit der DC-3 durch Kolumbiens Regenwald

Kurz vor Corona konnte ich noch einen Traum verwirklichen. Es war Mitte Februar, als es mich wieder einmal nach Südamerika verschlug. Dieses Mal ging es nach Kolumbien, erstes Mal und eines der letzten Länder des Kontinents, in dem ich noch nicht war.

Mit Air Europa gings von München nach Madrid. Dort übernachtete ich bei meiner Cousine. Am Folgetag gings mit dem Dreamdestroyer von Air Europa von Madrid nach Bogota. Erfreulicherweise wurden die Fenster während des Fluges dieses Mal nicht abgedunkelt. Jeder konnte individuell entscheiden. Somit machte der Dreamdestroyer mal nicht seinem Namen alle Ehre…

In Bogota kam ich gegen 2100 an. Gut 45min an der Einreise angestanden. Dann mit dem Taxi ins nahe Airporthotel. Um 2200 eingecheckt. Um 0315 wieder ausgecheckt und zurück zum Airport. Denn schon um 0530 startete mein EasyFly Flug mit ATR 72 von Bogota nach Villavicencio.   Nach dem Abheben schönes Panorama auf die Stadt in den Anden. Nach nur etwa 30min Flug landete ich in Villavicencio, gerade am Fuß der Berge und schon im Flachland Los Llanos.
Einem unserer AFM-Mitglieder habe ich es zu verdanken, dass ich hier Kontakte bekommen hatte und alles wie am Schnürchen lief. Gleich nach der Landung holte mich Carlos, der Hotelbesitzer, wo ich mich eingebucht hatte, ab. Doch ich wollte nicht zum Hotel, sondern gleich zur Airline Allas, welche 1-2km entfernt am Airport ihre Basis hatte. Doch für Carlos kein Problem. Er meinte sogar, dass ich nur die Nächte in Hotel zahlen müsse, die ich wirklich da wäre. Und er fuhr mich mit Freude zur Airline. Dort traf ich meinen nächsten Kontakt: Sergio. Der organisierte alles und somit hatte ich ein Ticket für einen zweitägigen Flug durch den kolumbianischen Regenwald in der Tasche.

 

Um 1000 gings los. Und zwar mit der 1942 und ursprünglich als C-47 gebauten DC-3 HK-3215. Zunächst gings von Villavicencio in langen 3h nach Taraira. Ich durfte im Cockpit auf einem nicht befestigten Plastikgartenstuhl hinter dem Piloten mitfliegen. Unter uns nur grüne Hölle.
Nach 3h befanden wir uns dann im Anflug auf den Dirtstrip von Taraira. Nach dem Ausrollen am Ende der Bahn einfach Motoren aus und Flieger stehen gelassen. Die kolumbianische Polizei, meist junge Burschen unter 20, überwachte stetig das Ausladen und wer ausstieg. Aber alle super nett und Fotos überhaupt kein Problem.

Im Restaurant bei Maria gab es zusammen mit den Piloten Frühstück. Zum Glück kann ich spanisch und so fiel die Kommunikation nicht so schwer.

Dann ging es weiter entlang des Flusses Traira, welcher Kolumbien von Brasilien trennt. Nach etwa 30min Flugzeit landeten wir in La Pedrera am Fluss Caqueta, auch nur wenige Kilometer von Brasilien entfernt. Hier fand unser Nightstop statt. Nach dem Ausladen der Maschine quartierte mich Sergio im Hotel Silva ein. 5€ die Nacht, da darf man keinen Luxus erwarten…

Am Abend nahmen mich die Piloten und der Bordmechaniker noch mit dem Boot auf den Fluss zum Fischen mit. Zurück waren wir in der Dunkelheit. Kurz bevor um 2200 der Dieselgenerator für den Strom im Dorf abgestellt wurde, machte ich noch Aufnahmen von der DC-3 mit dem südlichen Sternenhimmel darüber. Denn wir waren hier schon südlich des Äquators, welchen wir im Flug irgendwann überflogen hatten. Ein würdiger Ausklang des ersten Tages!

Am nächsten Tag wurde die Maschine schon kurz nach Sonnenaufgang beladen. In der Zwischenzeit schlenderten Schüler auf der Landebahn zur Schule.
Dann gings mit frischem Fisch (fragt nicht wie es in der Kabine roch…!) zurück nach Taraira.

Kurze Zeit später nach San Jose del Guaviare, wieder zurück in der Zivilisation. Dies diente aber nur als Tankstopp, denn ohne diesen hätte unsere DC-3 die Route Villavicencio-Taraira-La Pedrea-Taraira-Villavicencio nur ganz knapp, aber ohne nötige Reserve geschafft. Denn Sprit gab es unterwegs nirgendswo.
In San Jose sah ich den bis dato zweiten verbliebenen zivilen DC-3 Betreiber Kolumbiens, Aliansa. Die fliegen mit zwei alten richtigen DC-3 und einer Basler. Zudem fand ich drei An-26 von Aer Caribe vor. Auch sehr nett.

Nach dem Tanken ging es zurück nach Villavicencio. Nach der Ankunft organisierte ich mir gleich einen weiteren Flug für den nächsten Tag.
Carlos vom Hotel holte mich am Flugplatz ab. Sein Hotel echt nicht schlecht. Toller Standard und tolle Atmosphäre.

Am nächsten Tag gings mit der gleichen DC-3 und fast gleichen Crew – nur der Copilot war diesmal ein anderer – von Villavicencio nach Cumaribo. In Los Llanos gelegen, gerade noch in der Zivilisation. Unsere Fracht war vielseitig. 5200 lebende Küken in 52 Kartons verpackt, ein großer amerikanischer Kühlschrank, Fahrrad, großer TV, usw.

Nach kurzem Aufenthalt in brütender Hitze gings weiter nach Puerto Inirida an der venezolanischen Grenze. Hier erwartete uns ein größerer Airport. Endlich wurden die Küken ausgeladen und das Piepskonzert hörte auf.

Wir flogen weiter nach Barranco Minas, wo wir bereits weit vor der asphaltierten Runway im Gras aufsetzten. Barranco Minas ist bekannt für seinen Militärstützpunkt.

Wir besorgten uns nach dem Ausladen noch Essen to go und dann stiegen wir wieder mit frischem stinkenden Fisch in die Luft. Am Ende der Bahn rasierten wir in niedriger Höhe über die Bäume des Regenwaldes. Genial!
Am Nachmittag waren wir wieder zurück in Villavicencio. Neun großartige Flüge mit der DC-3 und einer tollen Crew gingen zu Ende. Nun war Entspannen im Hotel angesagt.

Tags darauf nahm mich Hotelbesitzer Carlos noch zu einer Wanderung auf dem Via Vereda del Carmen mit. War ganz nett und oben am Berg gab es frisch gepressten Orangensaft.
Am Mittag flog ich dann mit Avianca ATR 72 nach Bogota zurück.

Nach kurzem Aufenthalt weiter mit Avianca A320 nach Barranquilla. Die Crew super freundlich, ich durfte auf dem Jumpseat mitfliegen. Grandioser Sonnenuntergang während des Fluges und tolle Landung in der Nacht in Barranquilla.
Dort wurde man schon von der Werbung zu einem der weltgrößten Karnevals begrüßt. In der Stadt traf ich wie geplant meinen deutschen Reisefreund Ralph, bei dem ich in einem Airbnb Apartment übernachten konnte. Da die Sache mit dem DC-3 so gut und schnell geklappt hatte, hatte ich Zeit für diesen Karnevalsausflug.

Am nächsten Tag schauten wir uns die dreistündige Karnevalsparade an, die eine der größten weltweit war. Wirklich beeindruckend und tolle Stimmung. Und auch nett war ein Bell 212 der Armada, welcher 3x tief über die Straße flog. Nach dem Umzug lernten wir in einer Straßenkneipe noch eine kolumbianische Großfamilie (vom 15jährigen Enkel bis zum Großvater) kennen. Mit Bier, Rum und Cola feierten wir noch ein paar Stunden weiter. Traditionell mit Schaum und Mehl… was für ein Spaß.

Tags darauf flogen wir mit der Billigairline Viva Air von Barranquilla nach Medellin. Dort trafen wir die kolumbianische Frau von Ralph.

Zusammen schauten wir uns die Comuna 13 an. Früher kriminellstes Viertel zu Zeiten des Drogenkrieges, heute Touristenziel. Vor Jahren baute der Staat Rolltreppen in dieses Viertel ein, um den alten Leuten dort was Gutes zu tun. Immer mehr entwickelte es sich dann zum Touristenmagneten.
Mit einer Seilbahn fuhren wir in ein anderes Viertel. Neben Bus und Metro gibts hier auch mehrere Seilbahnen als Verkehrsmittel. Sehr praktisch.

In der Tangobar Salon Malaga füllten wir unseren Rum Coke-Stand wieder auf. Dann zu Fuß durch die Stadt. Etwas bedrückend, alles dreckig und dunkel. Sehr kriminell und ich fühlte mich nicht wirklich wohl. Direkt an der Kirchenmauer standen die leicht bekleideten Damen und warteten auf Kunden. Sonst viele Venezolaner, die von zu Hause geflüchtet waren und hier nun am Schwarzmarkt ihr Glück versuchen. Einer der alten Klosterhöfe war das Sehenswerteste der Stadt.

Tags darauf flog ich alleine zurück nach Bogota. Dort mit dem Taxi für ein paar Stunden in die Stadt. Das Goldmuseum war sehr interessant und ich vertrieb mir dort die Zeit während eines großen Regenschauers. Danach gings noch zu Fuß durch die Altstadt und zur Kathedrale am Hauptplatz. Am Abend zurück zum Airport. Pünktlich saßen alle Passagiere dann im Air Europa Dreamdestroyer für den Rückflug nach Madrid, als die Durchsage kam, wir sollten alle wieder aussteigen, denn der Flieger müsse desinfiziert werden… Hintergrund war, dass Corona bereits in Kolumbien angekommen war und auf dem Flug von Madrid nach Bogota ein Passagier über grippeähnliche Symptome geklagt hatte. Daher entschied sich die Regierung für eine Desinfizierung des ganzen Fliegers. Das dauerte geschlagene 5h und somit hoben wir dann mit 6h Verspätung in Bogota ab. In Madrid hatte ich meinen Anschluss nach München natürlich verpasst. Bekam aber Hotel und den ersten Flug nach München am nächsten Tag. Das war somit OK.

So ging eine Woche Kolumbien und die Erfüllung eines lang gehegten Traumes zu Ende. Und gerade noch rechtzeitig vor Corona.
Leider gibt es die Airline Allas jetzt nicht mehr, denn Ende März lief deren Versicherung für die DC-3 aus und die Behörden wollten diese aufgrund Unfallangst leider nicht verlängern. In den letzten Jahren verunglückten ja doch ein paar DC-3 der verschiedensten Airlines im Regenwald. Ohne Versicherung geht leider auch in Kolumbien gar nix und somit bleibt nur noch ein regulärer DC-3-Betreiber im Land über.

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